Blog: Franz-Reinhard Habbel 

Renovieren ist Reformieren: Die Gestaltung von Klassenräumen 

Auf dem Weg zu besseren Schulen jagt ein Verbesserungsvorschlag den nächsten. Oft vergessen wir dabei, die Klassenräume so zu gestalten, dass Schüler gern darin lernen.

Das Thema Neue Medien in Schulen ist längst nicht mehr nur in den Köpfen vereinzelter Bildungsforscher, auch Eltern, Lehrern und Politikern ist lange bewusst, wie wichtig die Integration von Informations- und Kommunikationstechnik in den Unterricht ist. Mit Erfolg: Heute sind 65 Prozent aller Deutschen nach Angaben des (N)ONLINER Atlas 2007 im Netz und in Deutschland Schulen ist die Zahl der Computer in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Diese Entwicklung ist positiv, wichtig und unabdingbar, um den Anschluss an den europäischen Wettbewerb wieder herzustellen. Aber damit allein ist es nicht getan. Das zeigen die Ergebnisse der neuesten Pisa-Studie, die neue Fragen und somit neue Lösungsansätze aufwerfen. Eine bessere Ausbildung der Lehrer, Ganztagsschulen oder auch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems stehen auf der langen Liste der Forderungen.

Trotz der zahlreichen Vorschläge hört man einen bisher jedoch nur selten – und dabei liegt der sehr nahe: Die Gestaltung und Ausstattung der Räume, in denen die Schüler lernen. Das klingt zunächst zwar simpel, aber die Umgebung beeinflusst das Lernverhalten der Schüler viel stärker als gedacht. Fühlen Schüler sich in ihrem Klassenzimmer wohl, steigert das ihre Motivation und ihre Leistungsbereitschaft.

Erste Studien belegen das bereits. So hat der Unternehmenszusammenschluss „Arbeitswelten Lebensraum“ im vergangenen Jahr bereits an einem Musterprojekt gezeigt, wie Licht, Farbe oder der Boden die Wirkung eine Klassenzimmers verändern und sich dies um Verhalten von Schülern und Lehrern niederschlägt. Und auch das neueste Papier „Investition in Lerninnovationen statt Geld für Bürokratie“ der Deutschen Bank Research plädiert für einen architektonische Neugestaltung der Klassenräume. „Lernen muss wieder Spaß machen“, heißt es da. Und weiter: „Durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik, durch ansprechende und funktionale Architektur – insbesondere die Gestaltung und Aufteilung von Räumen – können attraktive Lernatmosphären für das kreative Lernen und Arbeiten in kleinen Gruppen geschaffen werden.“

Dass dazu auch das Lichtkonzept gehört, hat die Studie gezeigt, die Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, im Auftrag von Philips durchgeführt hat. Danach kann Licht gezielt eingesetzt werden, um das Lernverhalten – die Aufmerksamkeit, Konzentration als auch die nicht erwünschte Hyperaktivität von Schülern – im Unterricht positiv zu beeinflussen.

Ingesamt 166 Schüler hatten ein Jahr lang unter dynamischem Licht gelernt. Im Gegensatz zu den in Schulen in der Regel verwendeten Leuchten kann bei einer Leuchte für dynamische Beleuchtung sowohl die Helligkeit als auch die Farbtemperatur verändert werden. Die Lehrer konnten das Licht auf die jeweilige Lernsituation anpassen und aus den Standardeinstellungen „aktivieren“, „beruhigen“ und konzentrierte Arbeiten“ wählen.

Die Ergebnisse waren beachtlich. So lasen Schüler mit dynamischem Licht schneller als Schüler in Klassenräumen mit normaler Beleuchtung, in einer vorgegebenen Zeit durchschnittlich 1.051 Wörter statt 780 Wörter. Noch deutlicher waren die Ergebnisse eines Konzentrationstests. Hier nahm die Fehlerhäufigkeit der Schüler in den Räumen mit dynamischem Licht um fast 45 Prozent ab.

In größerem Rahmen wird jetzt die Stadt Hamburg dieses Konzept nutzen und bis zu 1.000 Klassenzimmer mit dynamischem Licht ausstatten. Dass die richtige Beleuchtung zwar nicht allein über gute oder schlechte Schulen entscheidet, sondern dass es nur Teil eines ganzheitlichen Ansatzes sein kann, der die Schüler schließlich an die Spitze des nächsten Pisa-Rankings führen kann, dürfte auch der Hansestadt klar sein. Die Lichtlösung hat allerdings den besondern Charme, dass sie relativ leicht umzusetzen ist.

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