Blog: Franz-Reinhard Habbel 

Vertrauen ist wichtigstes Kapital in der Informationsgesellschaft 

Die digitale Wirtschaft schreitet in Deutschland mit immer schnelleren Schritten voran. Internetanschlüsse werden attraktiver und schneller, preiswerte Flatrates und Breitbandanschlüsse nehmen zu. Beim E-Commerce nimmt Deutschland in Europa den ersten Platz ein.

Setzten deutsche Unternehmen im Jahre 2004 202 Mrd. Euro im E-Commerce um, waren es im Jahre 2006 bereits 438 Mrd. Euro. Für das Jahr 2010 wird der Umsatz auf 781 Mrd. Euro geschätzt (Quelle BITKOM). Experten von Global Industry Analyst (GIA) gehen davon aus, dass im Jahr 2007 ein weltweiter Umsatz von über 31 Billionen Euro im weitesten Sinne über E-Commerce abgewickelt worden ist. Für die Entwicklung von Volkswirtschaften gewinnt die digitale Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Gleiches gilt für eGovernment. Komplette digitale Prozessketten im Verbund aller Behörden bilden die Zukunft der Verwaltung ab. Der im Jahre 2010 in Deutschland verfügbare elektronische Personalausweis bietet Bürgerinnen und Bürgern neue Möglichkeiten der Authentifizierung in der elektronischen Welt. Für die digitale Wirtschaft und für die digitale Verwaltung nimmt dies eine Schlüsselstellung ein.
Die neue Welt der Kommunikation und die damit verbundene Virtualität kann jedoch nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer Vertrauen in die Technologie haben. Zu den wichtigsten Aufgaben des Staates wird in Zukunft zählen, dies zu fördern und zu gewährleisten. So hängt beispielsweise die Akzeptanz des Einsatzes des elektronischen Personalausweises wesentlich vom Vertrauen in die Verfahren und Anwendungen ab. Die jüngsten Datenskandale in Deutschland aber auch in anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA tragen nicht dazu bei, dieses Vertrauen sicherzustellen.* Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wurde kürzlich eine CD zugespielt, auf der die Daten von 17.000 Verbrauchern gespeichert waren. Nach Presseberichten war dies nur die Spitze des Eisbergs: tatsächlich sollen 2,5 Millionen Datensätze illegal gesammelt und verwendet worden sein. In Erinnerung ist vielen noch die Affäre um Steuerhinterziehungen in Liechtenstein, bei der Anfang des Jahres eine CD mit zuvor gestohlenen Daten an die Bundesregierung verkauft wurde. Ende Dezember 2007 verschwanden in Großbritannien Tausende von Patientendaten. Der „Sunday Mirror“ berichtete, dass Hunderttausende von Patienten betroffen waren. In den USA sollen elf Tatverdächtige die Daten von nicht weniger als 41 Millionen Kreditkarten gestohlen und weiterverkauft haben. Die Organisation attrition.org ernannte das Jahr 2007 zum „Jahr des Datendiebstahls“. Eine Expertengruppe für Netzsicherheit kam auf die Summe von 162 Millionen entwendeter Datensätze.
Datenschutz ist keine Einbahnstraße. Auch die Marktteilnehmer sind gefordert. Veränderte Lebensstile und der damit verbundene Umgang mit persönlichen Daten ist eine Ursache, die es Unternehmen leicht macht, an persönliche Informationen heranzukommen. Jeder der im Kaufhaus an einem Preisausschreiben teilnimmt, muss sich im Klaren sein, dass seine persönlichen Daten auch für andere Zwecke verwendet werden. In aller Regel hat er mit seiner Unterschrift sogar zugestimmt. Datensammler sprechen längst vom Informationskapital die weltweit als Ware gehandelt wird.
Diesem Informationskapital muss der Staat Vertrauenskapitel entgegensetzen. Wenn Deutschland seinen Erfolg im E-Commerce fortsetzen und gleichzeitig den Zugang zur Verwaltung auf elektronischem Wege weiter ausbauen will, muss es sich mehr und mehr auch neuen internationalen Herausforderungen beim Datenschutz und bei der Datensicherheit stellen. Zuständigkeitsstreitigkeiten zwischen dem Innenministerium, dem Justizministerium und dem Verbraucherministerium bringen niemanden weiter. Koordination ist gefragt. Klar ist auch, dass der Staat dem Bürger die Verantwortung nicht abnehmen kann, sensibel mit personenbezogenen Daten umzugehen. Jeder sollte sein Verhalten selbst überprüfen. Auch im Elternhaus und in der Schule müssen diese Themen angesprochen werden. Vertrauen ist in der Informationsgesellschaft ein wichtiges schutzwürdiges Gut.

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