Bei Problemfällen unter den Kindern sollen enge Netzwerke von Schule, Jugendamt, Sozialbehörden, Polizei und Justiz gewährleisten, dass schnell gehandelt wird. So lautet eine der zentralen Antworten, der zunehmenden Jugendkriminalität zu begegnen. Der Ruf ertönt im ganzen Land.
Wie aber sehen solche Netzwerke aus? Wer ist für die Einrichtung verantwortlich? Wer vernetzt sich mit wem? Und schließlich: Welche Rolle spielt die Informations- und Kommunikationstechnologie? Schule, Jugendamt, Sozialbehörden, Polizei und Justiz, sie alle Arbeiten zum großen Teil mit Computersystemen. Wie aber kommt eine Information von einer Stelle zu anderen? Oftmals ist es bereits unmöglich, in der gleichen Verwaltung Informationen zwischen dem Jugendamt und dem Meldeamt oder zwischen dem Gesundheitsamt oder dem Ausländeramt auszutauschen. Das gilt erst recht für einen Behörden übergreifenden Austausch. Er scheitert oftmals an Datenschutzbestimmungen aber auch an fehlenden Schnittstellen der verschiedenen Softwaresysteme. Aus guten Gründen ist es nicht sinnvoll, zentrale Register zu führen. Es wäre falsch und wenig hoffnungsvoll, hier auf Lösungen zu warten. Das Engagement der Akteure ist gefordert. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommune, die letztendlich für die Sicherheit aber auch das Wohl der jungen Menschen Verantwortung trägt.
Ein Weg könnte sein, in regelmäßigen Abständen sog. Round-Table-Konferenzen in den Kommunen durchzuführen und alle Verantwortlichen der jeweiligen Ämter und Behörden zusammenzuführen. Auffälligkeiten von Jugendlichen könnten dort besprochen und individuelle Maßnahmenpläne aufeinander abgestimmt werden. Um die zeitliche Belastung in Grenzen zu halten, könnte mittels sog. elektronischer Konferenzsoftware der Austausch organisiert werden. In der Praxis würde sich zeigen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen einem solchen „Profiling“ jugendlicher Gewalttäter entgegenstehen. Dann wäre der Gesetzgeber gefordert.
Die Instrumente zur Ämter übergreifender Kommunikation sind längst vorhanden. Wir müssen sie nur einsetzen. Das gilt auch für die konzeptionelle Entwicklung solcher neuen Vorgehensweisen. Was hindert uns daran, spontan eine interdisziplinäre Task-Force von Experten insbesondere von Praktikern einzuberufen, die in wenigen Sitzungen aufgrund von Erfahrungen Lösungen für einen Informationsaustausch entwickelt? Nichts. Wir sollten es tun.
Von Franz-Reinhard Habbel
(28.01.2008)
netzwerk zukunftsstädte im RSS-Feed. 
Jetzt abonieren
16.02.2009, Berlin | 1. Netzwerktag: Starke Kommunen durch Kooperation und Innovationen [Details]