E-Kinderbetreuung, Unterricht 2.0, Stadtratsfernsehen.de, Börse der guten Taten und Ausbau der Breitbandversorgung – das sind nur einige der aktuellen Projekte in den Zukunftsstädten des Netzwerks, das sich im vergangenen Jahr im Anschluss an den Wettbewerb T-City der Deutschen Telekom AG und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) gegründet hat. Seither treffen sich die Mitglieder zum Erfahrungsaustausch bei großen Konferenzen, im kleinen Kreis vor dem Kamin oder wie zuletzt bei der ersten OpenSpace-Online®-Konferenz auch einmal im Internet.
Als im Mai 2006 der T-City-Wettbewerb für Städte zwischen 25 000 und 100 000 Einwohnern ins Leben gerufen wurde, konnte kaum jemand absehen, welch positive Resonanz dieser Wettstreit der Ideen in den teilnehmenden Städten auslösen würde. Mehr als 1 000 zukunftsweisende Projektideen aus 52 Städten gingen ein. Sieger des Wettbewerbs und damit die erste „T-City“ Deutschlands wurde schließlich Friedrichshafen. Seitdem wird in der Stadt der Zeppeline mit Hochdruck an der Umsetzung der Konzepte gearbeitet.
Netzwerk Zukunftsstädte
Dass der T-City-Wettbewerb nicht nach dem „Winner-takes-it-all“-Prinzip enden sollte, war den Verantwortlichen schon bei der Bekanntgabe der Siegerstadt im Februar 2007 klar. Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann nahm die Verleihung der Urkunde an die Siegerstadt Friedrichshafen zum Anlass, die Gründung eines „Netzwerks Zukunftsstädte“ zu verkünden. „Der unerwartet starke Rücklauf brachte uns auf die Idee, die 52 Teilnehmer weiter untereinander zu vernetzen, um damit gemeinsame Wege zu neuen Projektideen und deren Umsetzung zu eröffnen“, so Obermann. Jetzt nimmt die Idee konkrete Form an.
Innerhalb des „Netzwerks Zukunftsstädte“ erhalten Mitglieder die Möglichkeit, ihre Ideen und Erfahrungen im Umgang mit Zukunftsaufgaben, wegweisenden Kooperationsformen und aktivem Veränderungsmanagement mit Experten anderer Kommunen, aber auch mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auszutauschen. „Ein solches Netzwerk stellt einen besonderen Wert für alle Beteiligten dar“, stellte Dr. Gerd Landsberg, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), fest. „Schließlich arbeiten hier kommunale Akteure zusammen, die bereits bewiesen haben, dass sie in Bezug auf Leistungs- und Innovationsfähigkeit an der Spitze stehen.“
Nach dem Gründungstreffen des Netzwerks und dem ersten Kamingespräch, bei dem mehrere Bürgermeister der Zukunftsstädte auf dem Petersberg bei Bonn engagiert über die Ziele und die weiteren Schritte der gemeinsamen Arbeit diskutierten, fand im Mai 2008 die erste sogenannte OpenSpace-Online®-Konferenz im Internet statt.
Erste OpenSpace-Online®-Konferenz
Die Veranstaltung diente neben der Diskussion konkreter Themen auch dem Ausbau der Vernetzung der an der Initiative teilnehmenden Städte. Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Deutschland hatten sich die Konferenzsoftware heruntergeladen und den ungewöhnlichen Weg der Kommunikation über das Internet gewagt. Von Görlitz bis Bad Kreuznach, von Arnsberg bis Neu-Ulm loggten sich die Netzwerkmitglieder für drei Stunden in die Konferenz ein. „Die spezielle Methode ermöglicht uns einen schnellen und unkomplizierten Erfahrungsaustausch im Netzwerk, ohne zeit- und kostenaufwändige Reisen“, sagte Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des DStGB.
In einem virtuellen Diskussionsraum wurde über die Bedeutung der Technologie zur Breitbandanbindung von Städten und Gemeinden, die nicht in Ballungszentren liegen, diskutiert. Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg im Sauerland, schrieb dazu: „Gerade vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt, sind Breitband-Dienste in den Bereichen E-Health und modernen Verwaltungsdienstleistungen in Flächenregionen wichtiger als in Ballungszentren. Gerade dort halten sich Anbieter wegen der „kleinen Zahl“ der Kunden oder Patienten derzeit noch zurück.“ Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Online-Workshops „Breitband“ beschlossen eine Initiative von Bürgermeistern des Netzwerk Zukunftsstädte, um sich in der Öffentlichkeit für den Ausbau von Breitbandtechnologie auch in den ländlichen Räumen einzusetzen und auf die Probleme aufmerksam zu machen. Schließlich gelte Breitband als die „Straße oder Schiene des 21. Jahrhunderts“, schrieb ein Teilnehmer.
Auch Vertreter der T-City Friedrichshafen waren zu Gast und gaben die Erfahrungen mit dem Ausbau von superschnellen Internetverbindungen aus erster Hand weiter. „Unstrittig ist, dass die Breitbandversorgung ab 1 MBit/s ein wesentlicher Standortfaktor ist. Eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Bodenseekreis hat die Breitbandversorgung diesbezüglich als zweitwichtigsten Faktor nach Personalkosten identifiziert“, sagte Jürgen Kaack, Geschäftsführer und Leiter der T-City Head-Office, FN-Dienste GmbH aus Friedrichshafen.
Die Möglichkeit zum Austausch von Konzepten und Erfahrungen wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv genutzt. So berichtete Bernd Neidhardt von der Wirtschaftsförderung Neu-Ulm vom Erfolg der Gewerbeflächenbörse, die die Stadt gemeinsam mit der Fachhochschule entwickelt hat und die „ständig 100 bis 150 Objekte online verfügbar hat und etwa 400 Anfragen pro Jahr verzeichnet.“ Talke Herrmann, Referentin der Stadtverwaltung Bad Kreuznach, zeigte sich sehr an der Lösung und einem möglichen Wissenstransfer interessiert. „Wir werden uns die Börse heute Nachmittag einmal in Ruhe anschauen und dann Kontakt mit Neu-Ulm aufnehmen.“
Innovative Zukunftsprojekte
Globalisierung, Demografie und Haushaltkonsolidierung sind die drei großen Herausforderungen, vor denen die Städte und Gemeinden in den nächsten Jahren stehen. Diese Entwicklung verlangt auch nach neuen Kooperationsformen zwischen Verwaltungen, Bürgern und Wirtschaft und nach einem aktiven Veränderungsmanagement. Das Netzwerk Zukunftsstädte zeigt Beispiele auf, wie Kommunen ihre Zukunft gestalten können, um vor Ort die Lebensqualität zu verbessern und die Standortattraktivität zu erhöhen. Dabei spielen Fragen der Gesundheitsversorgung, der Bildung und der Verwaltungsmodernisierung eine zentrale Rolle.
Ein Blick auf die zahlreichen innovativen Zukunftsprojekte aus den einzelnen Städten macht den besonderen Charakter des „Netzwerks Zukunftsstädte“ deutlich: Virtueller Unterricht mittels Videokonferenzen beim Projekt „Unterricht 2.0“ in Schwäbisch Hall, die Entwicklung eines 3D-Stadtmodells in Kaiserslautern zur Nutzung in modernen Web-Anwendungen oder die Etablierung einer zentralen „Börse der guten Taten“ zur Koordination privater und ehrenamtlicher Tätigkeiten in der fränkischen Stadt Coburg sind nur ein paar eindrucksvolle Beispiele. Mittlerweile haben mehr als die Hälfte der 52 T-City-Teilnehmerstädte bekanntgegeben, dass sie ihr großes Engagement fortsetzen wollen, und offiziell ihre aktive Mitarbeit im Netzwerk erklärt.
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, ist der gezielte Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien von großer Bedeutung. So stellte Christoph Landscheidt, Bürgermeister der Stadt Kamp-Lintfort, die Bedeutung des Internet für seine Stadt heraus: „Anhand der stetig steigenden Zugriffszahlen auf unsere Homepages und anhand der wachsenden Nachfrage nach IT-Dienstleistungen der Städte und Gemeinden können wir erkennen, dass das Internet für die kommunale Verwaltung und Politik eine immer größere Bedeutung gewinnt.“ Gerade das Web 2.0, das sogenannte Mitmach-Internet, als die neueste Generation des Netzes, werde künftig zu einem neuen Dialog zwischen Bürger und Verwaltung führen.
Auch in der Stadt Arnsberg setzt man auf die vielfältigen Möglichkeiten des Einsatzes von Internettechnologie. Das interaktive Online-Portal „E-Kinderbetreuung“ wird zur Vermittlung und Qualitätssicherung von Kinderbetreuungsplätzen in Kindertagesstätten und Kindergärten beitragen. In diesem besonders lebensnahen und nutzenorientierten Projekt werden alle verfügbaren Angebote der Stadt im Sauerland katalogisiert und in ihren pädagogischen Ansätzen online vorgestellt. Eltern erhalten damit einen vollständigen und stets aktuellen Überblick über alle „Kinderbetreuungsangebote, ein Qualitätsbewertungssystem sowie ein besseres und reichhaltigeres Betreuungsangebot für Kinder jeden Alters“, teilte Bürgermeister Hans-Josef Vogel mit. Geplant seien darüber hinaus ein Notfall-Service für Eltern in besonderen Lebenslagen und die Ortung der Kinder durch spezielle Notrufhandys.
Auch in anderen Netzwerkstädten werden bereits Zukunftsprojekte umgesetzt. So sind in Coburg für das Jahr 2008 die Umsetzung von zunächst vier Vorhaben geplant: Die Errichtung eines virtuellen Stadtgedächtnisses, die Internetbörse der guten Taten, das Projekt Regionaler Businessplan und die Eröffnung eines iPTV-Kanals im Internet. Letzteres wurde im Mai 2008 bereits vollendet. Unter der Internet-Adresse www.stadtratsfernsehen.de informiert der Internet-TV Anbieter „iTV Coburg“ ab sofort in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg über die Arbeit des Stadtrats. „Ab sofort erhalten alle Bürgerinnen und Bürger vor und nach jeder Sitzung des Stadtrats vielfältige Informationen, die von den iTV-Redakteuren journalistisch aufbereitet werden“, erläuterten der Oberbürgermeister Norbert Kastner und die Online-Managerin der Stadt, Karin Engelhardt, das Projekt.
Im Vorfeld der Sitzungen stellt die städtische Pressestelle in einem filmischen Interview jeweils die interessanten Tagesordnungspunkte der nächsten Sitzung vor. Dazu bereitet iTV Coburg zwei Top-Themen mit einem Hintergrund-Filmbericht auf und ermöglicht so, dass man sich schon vorab über die zentralen Diskussionspunkte informieren kann. Diese Vorberichterstattung ist jeweils zwei Tage vor der Sitzung abrufbar. Dazu können die Tagesordnung sowie das in der Sitzung jeweils ausliegende „Heute im Stadtrat“ mit ergänzenden Erläuterungen als PDF-Datei zum Download abgerufen werden.
Im Anschluss an die jeweiligen Sitzungen wird der Oberbürgermeister ein Fazit aus seiner Sicht ziehen. In Interviews mit der Verwaltung wird iTV dann versuchen, die wichtigsten Beschlüsse kurz und knapp zusammenzufassen. Und natürlich erhalten auch die Mitglieder des Stadtrats die Möglichkeit, ein Statement zu den zwei Top-Themen abzugeben. Mittelfristig ist auch vorgesehen, die öffentlichen Stadtratsbeschlüsse im Wortlaut einsehen zu können.
Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern
Eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Netzwerks Zukunftsstädte spielen die Umsetzung der Projekte vor Ort und der Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern der Initiative. Vor Ort wird unter Einbeziehung der Bürgerschaft gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an der Zukunft der Städte gearbeitet. Die so gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen fließen anschließend in das Gesamtnetzwerk ein und ermöglichen den Mitgliedern vom Wissen der anderen Städte zu profitieren.
Der DStGB unterstützt die Netzwerkarbeit durch die operative Koordination und Moderation. Die Deutsche Telekom AG fördert das Netzwerk und steht ihm als Kompetenzträger für Informations- und Kommunikationstechnologien zur Verfügung.
Im Herbst dieses Jahres kommen die Vertreterinnen und Vertreter aus den Mitgliedstädten unter dem Motto „Innovationen nutzen – Zukunft gemeinsam gestalten“ zu einem weiteren Kongress wieder persönlich zusammen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu pflegen, weiter auszubauen und über Kooperationen zu gemeinsamen Projekten zu beraten.
(Erik Sieb, erik.sieb@dstgb.de)
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