Das Thema „eGovernment“ ist für die Stadtverwaltung Coburg nicht neu. Bereits seit dem Jahr 2003 engagiert sich die Stadt für eine Verwaltungsmodernisierung mit Hilfe von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. Als erster Baustein des umfangreichen Großprojekts „Bürgernetzwerk 2.0“, das vom Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner höchstpersönlich ins Leben gerufen wurde, wird in wenigen Wochen die „Börse der guten Taten“ im Internet eröffnet.
Coburg ist eine Kreisstadt in Oberfranken im Freistaat Bayern. Über der Stadt, die ehemals in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen innerdeutschen Grenze lag, tront die mittelalterliche Veste aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. Im Schatten dieses beeindruckenden historischen Gebäudes macht man sich in der 24.000 Einwohner Stadt über die Zukunft Gedanken. Die Voraussetzungen für den hoffnungsvollen Blick auf eine aussichtsreiche Entwicklung der Kreisstadt mit einem sehr großen Einzugsgebiet (insgesamt 96.000 Einwohner) sind gut. Mit insgesamt 22 Bildungseinrichtungen, darunter die Hochschule für angewandte Wissenschaft, ist Coburg das Bildungszentrum für eine ganze Region. Mit dem Hauptsitz einer der großen deutschen Versicherungsgruppen und vielen leistungsfähigen mittelständischen Unternehmen präsentiert sich die Stadt als attraktiver Wirtschaftsstandort.
Die Beteiligung am Ideenwettbewerb T-City der Deutschen Telekom AG im Jahr 2007 war für die Stadtverwaltung Coburg selbstverständlich. Die Beschäftigung mit den Themen „eGovernment“ und „Verwaltungsmodernisierung“ hat in der oberfränkischen Bischofsstadt fast schon Tradition. Der Wettbewerb, an dem sich 52 Städte aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten, hat die ohnehin geplanten Entwicklungen im Bereich eGovernment noch einmal weiteren Schwung verliehen. Der Wettbewerb hat in Coburg eine positive Stimmung gegenüber den geplanten Projekten ausgelöst und der Initiative durch die starke Bürgerbeteiligung eine Menge Schwung eingebracht. Dieser ist auch nach der Bekanntgabe der Stadt Friedrichshafen am Bodensee als der Siegerstadt des T-City Wettbewerbs weiterhin spürbar. So lässt sich Karin Engelhardt, Onlinemanagerin der Stadt Coburg, auch nicht beirren. „Wir machen auch ohne T-City weiter“, sagte die Leiterin der Stabsstelle eGovernment im historischen Rathaus.
In Coburg, der Stadt im bayerischen Grenzgebiet zu Thüringen, wurde das Thema „eGovernment“ bereits vor Jahren zur Chefsache erklärt. Siegfried Leistner, Leiter des Hauptamtes der Stadt Coburg, setzte sich dafür ein, die Stabstelle in unmittelbarer Nähe zum Bürgermeisterbüro einzurichten und mit ausreichend Personal zu versehen. Nach Abschluss des T-City-Wettbewerbs hatte man in Coburg zunächst die Gründung einer eigenen Gesellschaft zur Umsetzung der zukunftsträchtigsten Projektideen ins Auge gefasst. Insgesamt wurde die umfangreiche T-City-Bewerbung auf die 24 vielversprechendsten Projekte verkleinert. Die Gründung des Unternehmens scheiterte letztlich an einer fehlenden finanziellen Ausstattung im städtischen Haushalt. Den politischen Entscheidungsträgern im Coburger Stadtrat fehlte die klare Darstellbarkeit des Nutzens der verschiedenen Projekte. Zudem stellten die Stadträte die Frage, ob die Umsetzung einiger der innovativen Projekte tatsächlich die Aufgabe einer modernen Verwaltung sei. Zum Teil stünden die Dienstleistungen in direkter Konkurrenz zur Privatwirtschaft. Aufgaben kam für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle eGovernment der Stadt Coburg allerdings nicht in Frage. Man einigte sich schließlich auf die schrittweise Umsetzung der Einzelprojekte aus dem Gesamtpaket.
Für das Jahr 2008 ist zunächst die Umsetzung von zunächst vier Projekten geplant: Die Errichtung eines virtuellen Stadtgedächtnisses, die sogenannte Börse der guten Taten, das Projekt Regionaler Businessplan und die Entwicklung eines IP-TV-Kanals für Coburg im Internet.
Im städtischen Haushalt stehen für die Umsetzung der Zukunftsprojekte insgesamt Finanzmittel von 106 000.- Euro allein für das Jahr 2008 zur Verfügung. Zudem wird das Personal der Stabsstelle um eine Teilzeitstelle aufgestockt.
Da die Stadt bei der Lösung von Problemen stark auf interkommunale Zusammenarbeit setzt, ist das Engagement im Netzwerk Zukunftsstädte nur konsequent. Man erhofft sich von den anderen Teilnehmerstädten Unterstützung im Sinne eines Erfahrungsaustausches. „Es wäre wünschenswert, wenn sich aus der Initiative heraus ein Pool von Experten entwickeln würde, der allen Zukunftsstädten für eigene Veranstaltungen und Projekte beratend zur Seite stehen könnte“, sagte die Coburger Projektleiterin, Karin Engelhardt. Der persönliche Kontakt zu diesen Experten sei eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg des Netzwerks. Man freue sich schon sehr auf die nächste Zusammenkunft.
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16.02.2009, Berlin | 1. Netzwerktag: Starke Kommunen durch Kooperation und Innovationen [Details]